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Freitag, 22.02.2019

Elektrifizierung



"Als Elektrifizierung (...), wird allgemein die Bereitstellung der Infrastruktur zur Versorgung mit elektrischem Strom bezeichnet. Sie begann mit dem Ende des 19. Jahrhunderts und ist global noch nicht abgeschlossen." (aus de.wikipedia.org/wiki/Elektrifizierung )

In der Zeit von 1922 - 1923 wurde erstmals die Stromversorgung für die Gemeinde Petting aufgebaut.

Die Stromversorgung hat dabei aber nicht die gesamte Gemeinde abgedeckt. In den 30er Jahren wurden beispielsweise in Musbach 2 Turbinen und ein Mühlrad für die Stromerzeugung in Betrieb genommen. Beim Binter (Eder) und beim Wuimei (Peham) die Turbinen und beim Mina (Steinmaßl, alte Mühle) ein Wasserrad. Bei den Turbinen fliesst das Wasser direkt durch das Gerät und bei dem alten Mühlrad über die Schaufeln des Rades. In beiden Fällen wurde eine Achse angetrieben, die zumeist über einen Riemen den Stromgenerator bewegt hat.

Seeberg und Gilling wurden bereits in dieser Zeit, also vor dem Krieg, an die allgemeine Stromversorgung angeschlossen.

Die Turbine vom Binter hat dabei nicht nur für den Eigenbedarf gesorgt, sondern auch noch an Fischei (Stadler) und Hainz am See mit versorgt. Beim Binter wurde darüber hinaus die mechanische Kraft genutzt um über eine Transmission die Geräte in der Schreinerei zu betreiben, wie z.B. eine Hobelmaschine.

Wie gefährlich eine Transmission werden kann, hat der bereits verstorbene Binter Rudi sen. damals kenngelernt. Er ist mit der Kapuze seines Arbeitsgewandes irgendwie in die unter der Decke offen verlaufende, sich drehende Achse gekommen. Da hat sich die Kapuze gefangen und hat ihn bis zur Decke hochgezogen, wo dann gottseidank der Stoff ausgerissen ist.

Um etwa 21:00h Abends wurde dann eine Glühbirne nach der anderen abgeschaltet - hier wurde dann die Wasserzufuhr für die Turbine mit einer Kurbel zurückgefahren auf etwa 150V, sonst ist die Versorgung mangels automatischer Regelung auf 300V (Gleichstrom !) raufgeschnellt und wenn man nicht schnell genug die Glühbirne ausgemacht hat ist die natürlich durchgebrannt. So sind dann für den letzten, der das Licht ausgemacht hat wieder etwa 220V Gleichstrom verblieben.

Der Betrieb der Anlage hatte dabei seine Tücken:
- wenn's kalt war ist im Bach nicht mehr allzuviel Wasser gekommen
- bei Hochwasser musste das Werk generell abgeschaltet werden
- im Herbst wenn viel Laub im Bach war ist die Turbine oft ausgefallen
- die Stromleitung hat's immer wieder abgerissen oder es ist ein Baum draufgefallen
- bei Wind sind ab und zu die Drähte aneinander geraten, da hat's dann ganz schön g'funkt

Erst 1961 wurde für Musbach der normale Stromanschluss verlegt, damals von der Traun AG.

Quelle für die Geschichte in Musbach: Hans Eder, Hainz am See




letzte Änderung dieser Seite am 14.05.2012